Mehr Leichtigkeit im Miteinander

Wenn Erwartungen kleiner werden, kann Nähe wachsen.

Manchmal liegt das Gute nicht im Mehr, sondern im Weniger: Wie wir durch liebevolle Gelassenheit echten Kontakt zu unseren Kindern (und zu uns selbst) finden. Besonders im Leben mit ADHS.

Eltern zu sein bedeutet, jeden Tag neu zu lernen, zu wachsen und mit Überraschungen umzugehen. Wenn ein Kind mit ADHS in der Familie lebt, oder wenn man selbst davon betroffen ist, sind diese Überraschungen oft noch größer und intensiver. In solchen Momenten spielen Erwartungen eine entscheidende Rolle: Sie können Halt geben, aber sie können auch wie eine schwere Last wirken.


 

Ich erlebe in meiner Arbeit mit Familien immer wieder, dass Eltern ihre Erwartungen an sich selbst und an ihre Kinder viel höher setzen, als es ihnen guttut. Oft liegt das gar nicht daran, dass sie zu streng sein wollen. Häufig entsteht dieser Druck unbewusst: durch den Vergleich mit anderen Familien, durch die Bilder perfekter Ausflüge und Bastelaktionen in den sozialen Medien oder durch innere Stimmen, die sagen: „So müsste es doch eigentlich laufen.“

 

 

Ein Beispiel, das mir immer wieder begegnet: Die Ferien stehen an. Endlich Zeit für gemeinsame Erlebnisse, endlich mal raus aus dem Alltag. Schon Wochen vorher schmieden Eltern Pläne: ein Ausflug in den Zoo, ein paar Tage am See, vielleicht sogar ein Museum oder eine kleine Fahrradtour. Doch dann kommt der erste Ferientag, und das Kind mit ADHS ist nach einer anstrengenden Schulzeit erschöpft, reizbar und alles andere als bereit für große Abenteuer. Der mühsam geplante Ausflug endet in Tränen und Frust, auf beiden Seiten. Was eigentlich ein Highlight werden sollte, fühlt sich nun wie ein Scheitern an.

Solche Momente sind schmerzhaft. Eltern zweifeln an sich: „Warum schaffen wir das nicht, wenn es bei anderen doch scheinbar so gut klappt?“ Kinder wiederum spüren den Druck und fühlen sich vielleicht nicht gut genug. Dabei ist es oft gar nicht der Ausflug an sich, der scheitert, sondern die zu hohen Erwartungen, die weder zur Situation noch zu den Bedürfnissen des Kindes passen.

 

Doch es gibt einen anderen Weg. Wenn Eltern lernen, ihre Erwartungen nicht an einem Idealbild, sondern an der Realität ihres Kindes auszurichten, verändert sich vieles. Manchmal ist ein entspannter Nachmittag zu Hause mit Spielen, Lesen oder einfach nur Kuscheln genau das, was alle brauchen. Vielleicht ist es ein kleiner Spaziergang statt einer großen Fahrradtour. Und oft sind es genau diese scheinbar unspektakulären Momente, die in Erinnerung bleiben. Warum ist das so? Weil sie echt, machbar und voller Nähe sind.

Kinder mit ADHS erleben die Welt intensiver, manchmal lauter, manchmal chaotischer. Für sie bedeutet ein voller Tag mit vielen Eindrücken oft Überforderung. Wenn Eltern hier mit Verständnis reagieren und sagen: „Ich sehe, dass dir das heute zu viel ist. Lass uns etwas anderes machen“, dann fühlen Kinder sich nicht nur entlastet, sondern auch verstanden und angenommen.

 

Natürlich heißt das nicht, dass man keine Erwartungen mehr haben sollte. Gesunde Erwartungen sind wichtig! Sie geben Orientierung, sie schaffen Struktur und Sicherheit. Doch sie brauchen Flexibilität. An manchen Tagen klappt es, gemeinsam den Zoo zu besuchen, an anderen ist ein Picknick im Garten das Höchste der Gefühle. Wenn Eltern bereit sind, ihre Pläne an die Situation anzupassen, erleben sie oft weniger Konflikte, mehr Gelassenheit und mehr Freude an der gemeinsamen Zeit.

Ich ermutige die Eltern, mit denen ich arbeite, immer wieder: Vertraut Eurer Intuition etwas mehr. Ihr kennt euer Kind besser als jedes Ratgeberbuch und besser als jeder Social-Media-Post. Und oft sind es genau diese spontanen, intuitiven Entscheidungen, die den Unterschied machen.

Denn am Ende zählt nicht, ob die Ferien vollgepackt waren mit Aktivitäten oder ob alles so lief, wie es geplant war. Es zählt, dass Ihr mit Eurem Kind in Verbindung bleibt. Mit Verständnis, Liebe und dem Mut, Erwartungen loszulassen, wenn sie mehr schaden als nützen.

Und auch die Eltern selbst profitieren. Viele von ihnen haben ebenfalls ADHS oder sind durch die ständige Anspannung im Alltag besonders gefährdet, in eine Überlastung zu rutschen. Unrealistische Erwartungen, ob an sich selbst als „perfekte Eltern“ oder an ein Kind, das einem starren Plan folgen soll, können auf Dauer erschöpfen und sogar zu Burnout führen. Wer dagegen die eigenen Grenzen ernst nimmt und sich erlaubt, auch mal weniger zu tun, schützt sich und seine Familie.

Wenn Du spürst, dass der Druck durch Erwartungen in Eurer Familie überhandnimmt und dass die Freude am Zusammensein darunter leidet, stehe ich Dir/ Euch gerne zur Seite. Als psychologische und systemische Beraterin, Burnoutpräventionstrainerin und ADHS-Coach begleite ich Euch dabei, neue Wege zu finden. Wege, die wirklich zu Dir und Deinem Kind passen.

 

So wird aus dem täglichen Funktionieren ein gemeinsames Wachsen. Voller Nähe, Vertrauen und der Gelassenheit, die Euch als Familie gut trägt.

Deine, Steffi Zimmermann

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